Wasser ist Leben

Das Labyrinth von Chartres

Das Labyrinth von Chartres

In vielen gotischen Kathedralen, vor allem in Frankreich, existierten große begehbare Labyrinthe. Das erste wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert in Sens angelegt, gefolgt von Pontigny und Chartres. Weiterhin gab es solche Labyrinthe in Auxerre, Amiens und Reims – die meisten wurden leider zerstört. Wie durch ein Wunder blieb eines der schönsten und vollkommensten Exemplare in Chartres erhalten.

Der Ort des Labyrinths

Der Ort an dem das Labyrinth angelegt wurde, war nicht willkürlich gewählt. Am 15.August, am Fest von Maria Himmelfahrt, das in Frankreich ein großer Festtag ist, soll das Licht der Sonne durch ein Glasfenster so einfallen, daß ein Abbild der Mariendarstellung im Zentrum genau in der Mitte des Labyrinths zu sehen ist.
Es liegt außerdem im selben Abstand zum Westportal wie die Höhe der Rose zum Boden

Das Erlebnis des Labyrinths

Im Sommer 2005 trafen wir "zufällig" an einem Freitag in Chartres ein. Ich hatte es bei meinen letzten Besuchen immer wieder sehr bedauert, daß das Labyrinth durch Stühle verdeckt war. Bisher hatten wir in Chartres erlebt, daß alles spirituelle und alle Fragen nach der vorchristlichen Bedeutung des Ortes von den Kircheninstitutionen negiert und unterdrückt wurde, nach dem Motto: dies ist eine christliche Kirche und sonst gar nichts - und so waren wir umso mehr überrascht das Labyrinth nun für alle Besucher zugänglich frei daliegen zu sehen.

Sogleich machten wir uns auf den Weg. Trotz der vielen Menschen, stellte sich wie von selbt ein ruhiger, konzentrierter meditativer Bewußtseinszustand ein. Die unterschiedlichsten Menschen schritten mit uns durchs Labyrinth: eine Nonne, ganz normale Menschen und bunte Gestalten, manche gingen barfuß. Wir fühlten uns eigenartig verbunden und doch ging jeder seinen ganz eigenen Weg.

Nach einer Weile erst wurde mir ganz plötzlich der tiefere Sinn meines Tuns bewußt. Ich sah mich meinen Lebensweg gehen, analog zu jedem Schritt im Labyrinth. Er führte mich über mannigfache Windungen, Richtungswechsel, scheinbare Umwege, über das Gefühl sich immer wieder vom Ersehnten zu entfernen, aber doch dann ganz klar und eindeutig - ins Zentrum, ans Ziel. Unmittelbar war mir klar, daß es gar keine andere Möglichkeit gibt, als anzukommen - früher oder später, mit mehr oder weniger Mühen und Umwegen, aber letztendlich führt der eigene Weg unweigerlich zum Ziel. So wie das Wasser seinen Weg nimmt von der Quelle zur Mündung. Gleichzeitig ist der Weg das Ziel. Diese Erkenntnis war unendlich befreiend. Es war nicht mehr die Frage nach "richtig" und "falsch". Der Zweifel, ob ich vielleicht irgendwann die falsche Entscheidung getroffen haben könnte, und nun das Ziel meines Lebens für mich unerreichbar wäre - es war die Gewissheit und Akzeptanz, daß dieser Weg der meine ist, mit allem was er bringen mag, und mich ans Ziel führen wird.
Dieses Erlebnis machte mir auch wieder die Bedeutung dessen bewußt, ab und zu den Alltag hinter sich zu lassen zur Ruhe zu kommen und Raum zu schaffen für solche Erfahrungen.

Sie machen uns unsere geistigen Ursprünge wieder bewußt. Man kann dies auf die
unterschiedlichsten Arten und Weisen erreichen, jeder tut es auf seine Weise und man muß dazu nicht unbedingt nach Chartres fahren...
Aus einem solchen Erlebnis schöpfe ich immer wieder viel Kraft . Wenn ich zweifle oder entmutigt bin, gehe ich im Geist dorthin zurück - zu dem Punkt der Gewissheit und Befreiung, und es fließen mir wieder neue Kräfte zu.

 

 

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